LANDHAUS VIA DECIA BAD HINDELANG
 
Viehscheid Bad Hindelang 11. September 2012
Viehscheid Bad Hindelang

Eine der bekanntesten Allgäuer Traditionen findet in Bad Hindelang jedes Jahr am 11.September statt. Nur wenn der 11. September auf einen Sonntag fällt, wird er auf den vorangehenden Samstag, also den 10. September verschoben: der sogenannte Viehscheid – die Einheimischen werden Sie oft auch nur von „dem Scheid“ sprechen hören. Es ist das größte weltliche Fest des Tales und dies ist auch kein Wunder in einem Tal, das so sehr mit der Landwirtschaft verbunden ist. Im Frühsommer jeden Jahres wird das Allgäuer Jungvieh zur „Sommerfrische“ auf die Berge geschickt, wo kraftvolles Futter und frische Luft auf sie warten.

Auf der Alpe gesömmertes Vieh gilt als besonders gesund und widerstandsfähig. In diesen Genuss kommt nicht nur das eigene Vieh aus dem Tal, sondern auch viele Bauern aus dem Unterland schicken ihr Jungvieh auf die Alpen rund um Bad Hindelang. Dabei unterscheidet man zwischen Galt-Alpen (nur Jungvieh) und Senn-Alpen (Kühe, deren Milch an Ort und Stelle zu Butter und Käse verarbeitet wird).

Und dann nach ca. 100 Tagen in den Bergen kehrt das Vieh zusammen mit den Hirten wieder in das Tal zurück und wird dort „geschieden“, d.h. seinem jeweiligen Besitzer wieder zurückgegeben. Schon einen Tag vorher beginnt ein emsiges Treiben: Die Tiere werden herausgeputzt, die großen Schellen (Zugschellen) angelegt und das Leittier mit einem prächtigen Kranz geschmückt. Letzteres allerdings nur dann, wenn während des Sommers kein Unfall, zum Beispiel durch Steinschlag, Blitzschlag oder Absturz eines Tieres, passiert ist. Der Kranz wird mit viel Liebe aus Zweigen, Blumen, Gräsern und Bändern in Form einer Krone geflochten. Meist enthält er ein Kreuz, womit um den Schutz des Himmels gefleht wird. Auch ein Spiegel zur Abwehr böser Geister gehört in den Kranz. Dementsprechend spektakulär gestaltet sich dann auch das Eintreffen der Herden ab ca. 8.30 Uhr am Viehscheid-Platz auf der Aach, wo sie viele Schaulustige in Empfang nehmen. Schon von weitem ist das Schelle- und Glockengeläut zu hören, angeführt vom stolzen Kranzrind.

Wenn die Herde den Scheidplatz erreicht hat, durchläuft sie einen Verschlag, an dessen Ende die Tier einzeln beim Hirten ankommen. Laut ruft dieser den Namen des Besitzers, der sein Vieh dann in Empfang nimmt. Dies geschieht mit größter Zuverlässigkeit, der Hirte kann jedes Tier genau seinem Besitzer zuordnen. Wer würde da noch sagen, dass alle Kühe gleich aussehen? In Bad Hindelang werden jedes Jahr ca. 1000 Stück Vieh der sieben Alpen (die im Abstand von einer Stunde eintreffen) von den Hirten wieder in die Hände ihrer Besitzer zurückgegeben. Verbunden mit dem Viehscheid ist auch immer ein großer Krämermarkt mit Festzelt, Verkaufsständen, Fahrgeschäften und vielem mehr. Hier werden auch die Hirten geehrt, denn es ist wahrlich keine leichte Aufgabe, 100 Tage lang die Verantwortung für eine ganze Herde zu tragen.

Auf den Sennalpen werden Butter und auch Käse in beschwerlicher Handarbeit hergestellt und zudem begleitet einen die Sorge um die Kühe jeden Tag, denn der Hirte verspricht dem Eigentümer, seine Kühe im Herbst gesund und kräftig zurückzugeben. Darum werden stattliche Glocken und Schellen verlost, gestiftet von Behörden, Verbänden und Genossenschaften. Sie werden voll Stolz an gut sichtbarer Stelle im Haus oder auf der Alpe aufgehängt.
Der Tag des Viehscheids gilt in Bad Hindelang als Feiertag, auch die Schulen geben frei.
Wer das Treiben rund um den Viehscheid nochmals von Nahem erleben will, der kann ein paar Tage später den etwas kleineren Viehscheid in Unterjoch besuchen.